Mit der richtigen Garderobe gezielt Impulse für die öffentliche Wahrnehmung setzen
von Frank Plümer
Eleganter Dreireiher oder Jeans mit Kapuzenpulli – die Kleidung dominiert neben Rhetorik, Gestik und den Gesprächsinhalten zu einem großen Teil die Wahrnehmung vor der Kamera. Eine falsche Garderobe kann dem Auftritt trotz stimmiger Argumentation jegliche Glaubwürdigkeit nehmen. Doch was müssen Managerinnen und Manager über Kleidung wissen, bevor sie vor die Kamera treten? Dafür gibt es keine Patentlösungen: Die „richtige“ Garderobe ist eine Frage der Persönlichkeit und der Rolle, die die Führungskraft zu verkörpern hat.
Die Ursachen für ein unangemessenes Erscheinungsbild sind meist in einer fehlenden Übereinstimmung von Eigen- und Fremdwahrnehmung zu finden: Von Bankern, Versicherungs-Managern oder Anwältinnen erwartet die Öffentlichkeit nun einmal einen in jeder Situation hochseriösen Auftritt, zu dem auch das korrekte Äußere gehört. Führungskräfte aus der Kreativwirtschaft, der IT- und Internet-Branche hingegen können in Bezug auf ihre Garderobe vor der Kamera mehr Gestaltungsfreiraum beanspruchen und ihre Persönlichkeit stärker in den Vordergrund stellen.
Doch es gibt Ausnahmen von diesen Regeln: So kann der bewusste Bruch mit formalen Vorgaben und Erwartungen die öffentliche Person sogar in ein ganz neues Licht rücken. Managerinnen und Manager können so gezielt Impulse für ihr Image setzen und zu dessen Veränderung beitragen, sowohl für sich selbst als auch für ihr Unternehmen. Nur: Ein solches Manöver will beherrscht sein und gelingt meist nicht ohne eine eingehende vorherige Analyse und ein fundiertes Experten-Feedback, das alle relevanten Aspekte berücksichtigt.
Auch die Frage der Inhalte spielt in die kritische Auseinandersetzung mit dem Erscheinungsbild, zu dem neben Kleidung auch Brille und Frisur zählen, mit hinein: So wird etwa die Ankündigung einer unfreundlichen Firmenübernahme, den Medien in legerer Kleidung am Rande des Golfplatzes dargeboten, sicher nicht zu einer aufgeschlossenen und motivierten Grundhaltung bei der Belegschaft der Neuakquisition führen.
Auch stellen sich die Regeln in Regionen wie Asien oder Amerika meist anders dar. Speziell Führungskräfte, die auf der internationalen Bühne unterwegs sind, müssen daher die in den jeweiligen Regionen herrschenden Kleidungsstile kennen und beherrschen. Typ- und Stilberater leisten im Vorfeld wertvolle Dienste, um Unsicherheiten oder Fehltritte auf nationalem wie internationalem Parkett auszuschließen.
